Kirschstengeli selber machen

Die Königsdisziplin der Pralinenherstellung
MengeCa. 2 Puderkästen (88 Stück)
Aktive Zeit2 Std.
Gesamtzeit2 Tage
MilchSojaAlkohol
Kirschstengeli sind ein absoluter Schweizer Klassiker und erfreuen jede Generation. Ob als kleine Nascherei zwischendurch, zum Nachmittagstee oder abends auf der Couch — die feinen Schokoladenstangen gehen immer.
Doch wie werden sie eigentlich hergestellt, und was muss man dabei beachten? Nun, die Sache ist so: Kirschstengeli gehören nicht ohne Grund zur Königsdisziplin der Pralinenherstellung. Du brauchst das passende Equipment, viel Geduld und musst sehr genau arbeiten.
Damit Dir die feine Praline gelingt, haben wir ein ausführliches Erklärvideo aufgenommen und diesen Beitrag so detailliert wie möglich beschrieben. Das Equipment findest Du in unserem Onlineshop — such Dir Deine Lieblingsstempel raus und beginn mit dem Giessen.
Eines solltest Du vorher können: Couverture richtig temperieren. Ohne das wird der Mantel grau statt glänzend.
Es lohnt sich. Also, worauf wartest Du noch?
Das Rezept im Video
8:40 Min


Zutaten
Menge:
Pudermischung
2 kgWeizenstärke
1 kgMaisstärke
Kirschsirup
500 gKristallzucker
200 gWasser
100 gKirsch, mind. 40 % vol.
Schritt für Schritt
Wenn Du es eilig hast: die kompakte Rezeptkarte weiter unten fasst alles zusammen.
Puderkästen vorbereiten
1
Stärke mischen und sieben
Misch die Weizenstärke mit der Maisstärke und gib sie durch ein Sieb — oder sieb beide direkt in den Puderkasten. Wichtig ist nur das Verhältnis: zwei Drittel Weizenstärke, ein Drittel Maisstärke. Und der Kasten muss gut gefüllt sein.


Das brauchst Du dafür
2
Acht Stunden trocknen
Bereite am besten zwei bis drei Kästen auf einmal vor, dann hast Du den Aufwand nur einmal. Stapel sie übereinander und gib sie für mindestens acht Stunden bei 50 °C Umluft in den Backofen. So wird das Puder richtig trocken.

3
Auflockern und glätten
Nimm die Kästen aus dem Ofen und locker die Stärkemischung mit einem Schwingbesen auf — einfach damit durchfahren. Danach glättest Du sie wieder: am besten mit der Rückseite des Holzstäbchens, an dem die Gipsstempel befestigt sind. Fahr mehrmals darüber, bis die Oberfläche wirklich eben ist.


4
Mulden stempeln
Drück die Gipsstempel in die glatte Stärke. Achte darauf, dass zwischen den Mulden immer 1 bis 2 cm Platz bleibt — lässt Du weniger, stürzen sie ein.
Wir haben die klassische Gipsform in der langen Variante verwendet: 6,3 cm lang, 0,9 cm breit. Elf Formen auf einem Holzbrett, viermal im Kasten gestempelt — das ergibt bei zwei Kästen 88 Kirschstengeli. Mehrere Formen zu kaufen lohnt sich, damit geht es deutlich schneller.

Kirschsirup
1
Zuckerlösung auf 108 °C kochen
Gib den Kristallzucker mit dem Wasser in eine Pfanne und koch die Mischung auf genau 108 °C. Bepinsle die Pfannenseiten grosszügig mit Wasser — so fliessen die Zuckerkristalle nach unten und lösen sich vollständig auf. Nimm dafür einen Silikonpinsel.
Hat der Sirup 108 °C erreicht, nimm ihn sofort von der Hitze, deck ihn mit einem Tuch oder einer Metallplatte ab und lass ihn etwa zwei Minuten abkühlen.


2
Kirsch behutsam einarbeiten
Jetzt kommt der Kirsch dazu — mindestens 40 % vol. Giess ihn einfach in den Sirup und lass die Mischung eine halbe Minute stehen. Dann giesst Du sie in eine neue Schüssel um, deckst sie wieder ab, wartest eine weitere halbe Minute und giesst erneut um. Das wiederholst Du etwa viermal.
Durch das vorsichtige Umgiessen verbinden sich Sirup und Alkohol ganz schonend. Würdest Du den Alkohol mit Kelle oder Schwingbesen einrühren, könnten sich Zuckerkristalle bilden — und die wollen wir auf keinen Fall.


3
Dichte messen: 31 °Bé
Füll den verbundenen Sirup in ein hohes Gefäss oder einen Sirupbehälter um und miss die Zuckerdichte mit dem Sirupdichtemesser. Halt das Gerät in die Flüssigkeit und drück es einmal kurz nach unten — es kommt wieder hoch. Wo der Strich steht, sobald es ruhig liegt, ist der Baumé-Grad.
Bei uns sind das 31 °Bé, und genau da soll er sein.


Ausgiessen und ruhen
1
Mulden ausgiessen
Stimmt der Bé-Grad, füll den Sirup in den Profitrichter und giess die vorbereiteten Mulden aus. Geh mit dem Trichter möglichst weit herunter, damit der Strahl die Mulde nicht zerstört. Giess bis kurz unter die Kante.


2
Bepudern und 24 Stunden ruhen
Lass die gefüllten Mulden etwa 40 Minuten bei Raumtemperatur stehen. Erst danach bepuderst Du die Oberfläche ganz leicht mit der lauwarmen Stärkemischung — wirklich nur eine hauchdünne Schicht. Weitere 30 Minuten stehen lassen.
Dann siebst Du eine zweite Schicht darüber, bis die Stengeli vollständig bedeckt sind. Jetzt ruhen die Kästen mindestens 12, besser 24 Stunden bei Raumtemperatur.

Fertigstellen
1
Aus dem Puder heben
Streif das Puder mit einem feinen Pinsel von der Oberfläche, bis Du die Stengeli gut siehst. Heb sie vorsichtig aus der Mulde, halt sie über eine separate Schüssel und befrei sie vom überschüssigen Stärkegemisch.
Das muss wirklich über einer separaten Schüssel passieren, nicht über dem Puderkasten: die Zuckerschicht ist hauchdünn, und bei zu viel Druck bricht sie — dann ergiesst sich der Sirup in den Kasten. Lieber hinterher mehr putzen.
2
In Couverture trempieren
Setz die abgepuderten Stengeli auf ein Kuchengitter — bricht eines, fliesst die Flüssigkeit nach unten ab und greift die anderen nicht an.
Gib das Stengeli vorsichtig in die temperierte dunkle Couverture, drück es unter und hol es mit der Trempiergabel heraus. Klopf sie leicht am Rand des Temperiergeräts ab, damit überschüssige Schokolade abfliesst, und setz das Stengeli auf Backpapier ab. Dort anziehen lassen.
3
Zweite Schicht, Kakaopulver, verpacken
Überzieh die Stengeli mit einer zweiten Schicht Couverture. Optional kannst Du sie danach auf Kakaopulver absetzen und damit bepudern.
Auch die zweite Schicht ist optional — aber sehr empfehlenswert. Gerade zum Verschenken oder für längere Aufbewahrung sind die Stengeli damit besser geschützt. Dafür tritt der feine Alkoholgeschmack etwas zurück, weil die Schokolade dicker wird. Alles hat seine Vor- und Nachteile.
Einzeln in unsere Bonbonverpackung eingewickelt werden daraus Geschenke, über die sich garantiert jeder freut.

Kompakt · zum Ausdrucken
Kirschstengeli
Zutaten
Menge:
Pudermischung
Kirschsirup
Vollendung
Zubereitung
- Puder: Weizen- und Maisstärke 2:1 mischen, sieben, in den Puderkasten füllen.
- Trocknen: Kästen 8 Std. bei 50 °C Umluft trocknen, danach auflockern und glätten.
- Stempeln: Gipsstempel eindrücken, 1–2 cm Abstand zwischen den Mulden.
- Sirup: Zucker und Wasser auf genau 108 °C kochen, Pfannenrand bepinseln.
- Kirsch: Abgedeckt 2 Min. abkühlen, Kirsch zugeben, viermal umgiessen statt rühren.
- Dichte: Mit dem Sirupdichtemesser auf 31 °Bé prüfen.
- Giessen: Mit dem Trichter bis kurz unter die Kante in die Mulden füllen.
- Bepudern: 40 Min. stehen lassen, hauchdünn bepudern, nach 30 Min. ganz bedecken.
- Ruhen: 12 bis 24 Std. bei Raumtemperatur ruhen lassen.
- Befreien: Puder abpinseln, über einer separaten Schüssel aus der Mulde heben.
- Trempieren: In temperierte dunkle Couverture tauchen, abklopfen, anziehen lassen.
- Vollenden: Zweite Schicht Couverture, optional Kakaopulver, einzeln verpacken.
Nährwerte pro 100 g
470kcal
15.5 gFett
79 gKohlenhydrate
3 gEiweiss
Lagerung & Haltbarkeit
Luftdicht verpackt bei Raumtemperatur kannst Du diese edlen Pralinen bis zu sechs Monate aufbewahren.
Alles für dieses Rezept
Aus unserer Backstube empfohlen — genau die Grössen, mit denen das Rezept getestet ist.
Zutaten
Zubehör
Lieferung in 1–2 Werktagen · Versandkostenfrei ab CHF 100
Schön dazu
Nicht nötig für das Rezept — aber es passt.

Damit sie garantiert gelingt
Niemals rühren, immer umgiessen
Der Alkohol darf nicht eingerührt werden. Kelle oder Schwingbesen bringen Bewegung in den Sirup, und schon bilden sich Zuckerkristalle — dann ist die Charge hin. Viermal vorsichtig umgiessen und dazwischen abdecken, mehr braucht es nicht.
31 °Bé ist keine Empfehlung, sondern die Bedingung
Zu dünner Sirup bildet keine Zuckerkruste, zu dicker kristallisiert. Das Sirupdichte-Messgerät ist bei diesem Rezept kein Luxus — es ist der Unterschied zwischen Kirschstengeli und einer Sauerei im Puderkasten.
Immer über einer separaten Schüssel
Die Zuckerschicht um das Stengeli ist hauchdünn. Bricht sie über dem Puderkasten, läuft der Sirup ins Puder und Du kannst den ganzen Kasten neu machen. Das bisschen zusätzliches Putzen ist die günstigere Variante.
Häufige Fragen
Weil jede Bewegung im heissen Sirup Zuckerkristalle auslösen kann. Deshalb wird viermal vorsichtig umgegossen und dazwischen abgedeckt — so verbinden sich Sirup und Kirsch, ohne dass der Zucker auskristallisiert.
Der Baumé-Grad misst die Dichte einer Zuckerlösung. Bei 31 °Bé ist der Sirup genau so konzentriert, dass sich im Puderkasten eine dünne Zuckerkruste bildet und das Innere flüssig bleibt. Gemessen wird mit einem Sirupdichte-Messgerät.
Ja. Mit weniger Alkohol stimmt das Verhältnis von Zucker, Wasser und Alkohol nicht mehr — die Kruste bildet sich schlechter und die Pralinen halten kürzer.
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